Füsse sind zum Gehen und Rennen und nicht (mehr) zum Greifen.
Blog 05 Füsse sind zum Gehen und Rennen und nicht (mehr) zum Greifen. Einführung
Bis heute haben Chirurgen und Anatomen die Funktionsmechanismen des menschlichen Fußes noch nicht in vollem Umfang verstanden.
Der Begriff "Gewölbe" ist für die Fuß Längs Struktur als technisch ungeeignet anzusehen, eine Gewölbekonstruktion erfordert ein Fundament und dieses ist nicht vorhanden.
Bisherige Konzepte beinhalten folgendes:
(I) Das Skelett des Fußes unter dem Talus wird als durchgehende "Fußplatte" oder "Lamina pedis" angesehen, und die Vorstellung vertreten, dass diese Struktur in der Lage ist eine longitudinale Pronation oder Supination, eine Eindreh - und Ausdrehbewegungen ist, und eine "closed- packed" und "loose- packed" Stellung bewirkt (MacConaill 1945 und MacConaill, Basmajian 1969).
(II) Oft wurde die Auffassung geäußert, dass die Bewegungen in den intrinsischen Intertarsalgelenke seien Drehungen um definitive Achsen (Hicks 1953, Van Langelaan 1983, Benink 1985, Lundberg et al 1989).
(III) Die Bedeutung der Achsen der calcaneo-cuboid und der talo-navikular Gelenke, wobei diese "in und aus der Achse" sein können, die Mobilität und Stabilität in der USG- Gelenklinie (Elftman 1960, Mann 1993) definieren.
Aus den Vortrag Mr. David Stainsby, MD internationalen Symposium für Fußchirurgie München 2012.
Vieles finden wir vereinfacht im Verschrauben des Fusses. Es bewirkt, dass der Fuss weich ist beim Landen und kurz nach der Landung sich «verschraubt» und rigide wird. Damit ist ein kräftiger Abstoss mit geringer Weichteil- (Plantarsehne) Belastung möglich. Die Aktivität der Tibialis posterior kurz nach der Landung scheint mir ein wichtiges Anzeichen für dieses Modell zu sein. Der Vor-Fuss bewegt sich weiter in einer Pronation, der Rück-Fuss zurück in einer Supination.
2 bis 3 Millionen Jahren Evolution haben unsere Füsse als Greiforgan in ein leistungsfähiges Geh- und Renn-Organ umgewandelt. Möglicherweise ist die Evolution noch im Gang und die Optimierung noch nicht abgeschlossen, so gab es vor etwa 40 Jahren die Meinung, dass unsere kleinste Zehe am Verschwinden ist, weil wir diese eigentlich nicht mehr brauchen.
In diesem Kontext ist der aktuelle Trend des Barfuss Gehens und Laufens sehr interessant. Übrigens hatten wir Ähnliches bereits vor 25 Jahren: ein grosser Hype mit Barfussschuhen, wobei die meisten nach kurzer Zeit wieder verschwanden. Dies liegt darin begründet, dass Barfussgehen zwar sehr gesund ist, die meisten von uns es aber nicht mehr beherrschen. 60 Jahre Laufschuhe mit immer mehr Dämpfung und folglich immer mehr Stützung und Führung hat unserem Fundament nicht gutgetan. Degenerierte Füssen sind die Folge und Barfuss- gehen ist für viele nicht mehr möglich. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass mit dieser Entwicklung viele von uns auf diese stützenden, führenden und dämpfenden «Gesundheitsschuhe» angewiesen sind.
Der Begriff «Gesundheitsschuh» ist jedoch stark irreführend. Diese Schuhe helfen zwar schmerzgeplagten Personen in ihrer täglichen Mobilität, lösen das Problem aber in keinerlei Weise.
Und nur durch Barfussgehen werden diese degenerierten Füsse nicht automatisch wieder gesund. Die Praxis hat gezeigt das diese spezifisch trainiert werden müssen
Wie trainiere ich am besten meine Füsse?
Damit wir diese Frage beantworten können, müssen wir wissen, was die Anforderungen an unsere Füsse sind.
Gehen und Laufen sind vorprogrammierte Bewegungsabläufe.
Das „Aufsetzen“ der Ferse ist nicht immer gleich, auf hartem Untergrund zum Beispiel ist der Supinationswinkel (die Fusssohle ist nach innen gerichtet) grösser als auf weichem Boden.
Die vermehrte Supination vor und während der Landung auf hartem Boden vergrössert die gesamte Pronationsbewegung. Damit kann die die Landung länger und damit besser aktiv gedämpft werden
Supinationswinkel:
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Barfuss auf Beton |
Barfuss auf Rasen |
Barfuss auf Sand |
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Initial Contact |
8.5° |
7.0° |
3.3° |
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Mid Stance |
1.2° |
1.9° |
0.9° |
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Toe off |
-4.7° |
-3.0° |
-2.1° |
Franz Amann 2007
Offenbar wird die Bodenbeschaffenheit visuell analysiert und die Landung dementsprechend vorbereitet.
Bein- und Rumpf-Muskulatur sind bereits aktiv vor der Landung
(gehen verstehen K. Götz- Neumann 4. Auflage Abd. 2.76).
Die Landungsvorbereitung scheint damit muskulär betrachtet viel wichtiger zu sein als der Abstoss. Gehen und Laufen ist „antizipierend“ und nicht „reagierend“.
Propriozeptiv.
Propriozeptionstraining schult die Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit, diese Fähigkeiten sind wichtig, sollen aber nicht überbewertet werden. Jede Anpassung durch die Wahrnehmung des Fusses, beim Gehen und vor allem beim Laufen, dient nur dem nächsten Schritt.
Die eventuelle Anpassung des aktuellen Schritts kommt immer zu spät. Nur bei sehr langsamem tastendem Gehen kann die gesammelte Information dem aktuellen Schritt dienen.
Klassische Fussgymnastik ist in gewissermassen sinnvoll, sollte aber ebenfalls nicht überbewertet werden. Unsere Füsse sind keine Greiforganen mehr, die Evolution hat aus ehemalige Greiforganen, Geh- und Lauf- Organe gemacht, und möglicherweise ist diese Entwicklung noch nicht einmal abgeschlossen. Die Voraussetzungen bezüglich Mobilität und Funktionalität müssen geschaffen werden. Anschliessend muss das Training funktionell sein. Die Koordination zwischen Rück- und Vorfuss ist elementar.
Nach der Landung muss der Vorfuss in Pronation weiterlaufen und gleichzeitig der Rückfuss in Supination aktiv werden.
Diese Fähigkeit bildet das Hauptgewicht des Fusstrainings.
© Jan Swager van Dok

